Dirk's Canadian Truckerjob

Dirk's Canadian Truckerjob

Abwechslungsreiche Tage

On the RoadPosted by Admin Sun, December 28, 2008 11:20:27

Heute schreibe ich einfach mal ein Erlebnisse der letzten Tage und Wochen nieder. Inzwischen ist sowas wie Routine eingekehrt. Klar, die Lade- und Abladestellen sind meistens neu, aber es gibt auch schon den einen oder anderen Staplerfahrer den man beim Namen kennt.

Vor ein paar Tagen nehme ich einen Reefer (Kühlauflieger) mit Lebensmitteln in Airdire (nördlich von Calgary) mit Ziel Saskatoon auf den Haken. Das Schicksal meint es wieder gut mit mir und Steffen und Jessy haben das gleiche Ziel.

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So können wir die 600 km gemeinsam durch die Nacht fahren und uns über Funk über Gott und die Welt und vor allem unser Leben in Canada unterhalten. Das Leben hier ist nicht besser. Ich würde es mal als "anders" beschreiben.

Zwei Stunden vor Saskatoon, 2 Uhr morgens, ich denke an nichts Böses, sehe ich bei 110 km/h einen Schatten über die Haube meines Trucks auf die Windschutzscheibe zurutschen. Dann ein höllischer Schlag gegen die Scheibe. Zwei Sekunden später ruft Steffen über Funk, er hätte gerade irgendwas überfahren. Wir stoppen und sehen die Bescherung. Aus irgendwelchen Gründen (vermutlich klirrende Kälte gepaart mit Vibrationen) hat sich der Chromkühlergrill meines Freightliners gelöst, ist mir gegen die Scheibe gekracht und im hohen Bogen über den Auflieger geflogen. Steffen hat das Teil dann platt gemacht und in 100.000 Einzelteile zerlegt als er drübergefahren ist. Kein Vorwurf an Steffen! Niemand kann hier reagieren.

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Am nächsten Morgen schlage ich bei "Frontline Trucks and Trailers" dem Freightliner-Händler in Saskatoon auf. Zu meiner absoluten Überraschung (hey, das hier ist Canada...!), ist der Kühlergrill tatsächlich im Lager vorrätig und wird in der Werkstatt montiert.

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Danach gehe ich mit einem anderen HWT Fahrer, Jim, zum Frühstück. Ein kleines Restaurant auf der 51st Street in Stoon (Kurzform für Saskatoon). Von aussen unscheinbar, da wäre ich nie reingegangen. Aber das Frühstück saugut, preiswert und nicht frittiert wie sonst das Meiste hier. Ausserdem arbeitet hier Bedienung mit der ich seit ein paar Wochen "date" smiley

So kurz vor Feierabend will ich nur noch den Truck tanken und heim zum Duschen. Aber wie schon erwähnt, hey das hier ist Canada! Expect the unexpectet. Wir haben -34 Grad Celsius und mit dem Wind fühlt sich das wie -45 Grad Celsius an. Und die meisten Zapfsäulen am Husky-Truck-Stop sind eingefroren. Hinter den zwei funktionierenden "Pumps" stehen der Trucks bis auf die Strasse Schlange. Die restlichen Zapfsäulen sind abgesperrt.

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Warum zum Henker frieren hier die Zapfsäulen ein? Ist das der erste Winter für die canadischen Tankstellenbetreiber? I don't think so. Welcome to Canada...

So fahre ich zur Petro-Pass-Tanke auf der anderen Seite des Highways. Auch hier das gleiche Theater mit eingefrorenen Zapfsäulen. Dank dem Kollegen Mark entfällt das lange Suchen, er hat eine funktionierende Pumpe gefunden.

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Es ist so kalt, dass ich die Tankkarte an der Zapfsäule zwar noch reinschieben, aber nicht mehr rausziehen kann. Die Finger machen ganz einfach nicht mehr das, was sie sollen. Kein Gefühl mehr in den Pfoten. Das ist schon der Hammer wenn man so an seine Grenzen kommt. Und wir reden hier jetzt nicht vom Überleben in der Wildnis, sondern vom Tanken in einer Großstadt. Schliesslich ziehen ich die Karte mit den Knöcheln der beiden Zeigefinger raus. Welcome to Canada...

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