Dirk's Canadian Truckerjob

Dirk's Canadian Truckerjob

Reden wir nicht darüber...

On the RoadPosted by Admin Tue, December 02, 2008 18:26:58

(Dieser Bericht besteht übrigens mehr aus Text als aus Bildern, da es entweder Nacht oder das Wetter zu schlecht war oder ich keinen Nerv zum Fotografieren hatte).

Manche Tage beginnen schon mit einem schlechten Gefühl... Ich habe einen Tag frei und mein Dispatcher meint: "Ruf' morgen um 9 Uhr an." Gesagt, getan, noch keine Ladung. Ruf' gegen Mittag wieder an." Gesagt, getan, immer noch keine Ladung. So vertrödel ich den Tag bei mir zuhause. Dann klingelt mein Mobiltelefon (komisch, sonst rufe ich immer an und hänge in der Warteschleife). Es ist kurz vor 14 Uhr. "Du musst um 16 Uhr in Regina sein, einen Auflieger für Calgary laden."

Hmm, Saskatoon - Regina = 250 Kilometer = 2,5 Stunden Fahrtzeit + ich muss noch zu meinem Truck fahren, der am anderen Ende der Stadt geparkt ist. Ich verweise darauf einen Freightliner Truck zu FAHREN und keine Boeing 747-Frachtmaschine zu FLIEGEN. Hier der Unterschied:

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Blog Image"Nun gut beeile Dich halt." Als ich auf den Speditionshof komme und meinen Auflieger suche, beschleicht mich ein komisches Gefühl. Von Regina nach Calgary sind es ungefähr 8 Stunden Fahrtzeit. Dort morgen um 7 Uhr abladen. Das wird wieder eine lange Nacht.

Hat sich übrigens schon mal jemand von Euch, Gedanken über die Aerodynamik eines Trucks bei 100 km/h in Verbindung mit Chilli con Carne gemacht? Ich muss gestehen, ich nicht. Was übrigens ein Fehler ist! Als ich so Richtung Calgary donnere, beschleicht mich ein Hungergefühl. Ich taste hinter mich und entdecke im Kühlschrank nichts Geniessbares. Also mache ich mir in der Mikrowelle eine Portion Chilli con Carne heiss.

Wenn man auf diesen endlosen geraden Highways unterwegs ist, kommt man schon auf die komischten Ideen irgendwelche Dinge zu tun. Essen aufwärmen, telefonieren, skypen, das Cockpit vom Staub befreien. Ich beschliesse eine St. Christophorus-Medailie (ein Geschenk meiner Eltern), der Schutzpatron der Reisenden und Fahrenden, zu befestigen und komme dabei um ein Haar von der Strasse ab... smiley

Das Chilli con Carne aus der Dose, schmeckt genau genommen nach nichts und es befinden sich UFOs darin (Unbekannte fleischähnliche Objekte). So entsorge ich die halbvolle Dose zum Fenster der Fahrertüre. Halt! Ich wollte die Büchse nur ausleeren und nicht komplett zum Fenster rauswerfen. Ein Fehler! Die Gesetze der Physik befördern 95% des Doseninhalts zurück ins Fahrerhaus. Jeden Tag entdecke ich neue Flecken der hellroten Pampe...

Auf dem kleinen Truck-Stop in Brooks, Alberta (180 km vor Calgary) werfe ich kurz vor Mitternacht den Anker, mache meinen Papierkram und gehe schlafen. Den Wecker stelle ich auf 4 Uhr morgens, um 7 Uhr muss ich an der Abladestelle sein. Bei meiner Abfahrtskontrolle in Brooks entdecke ich alte Bekannte ein paar Reihen weiter.

Leider ist das Wetter schlechter geworden, es hat knapp null Grad und es schneeregnet. Der Highway wird unangenehm rutschig. Trotzdem schaffe ich es zum vereinbarten Entladetermin. Hier ein kleiner Aufheller der trüben Stimmung:
Blog ImageDas hoppelt gaaaanz bestimmt.

Die Abladestelle in Downtown Calgary ist verflixt eng und beim Rangieren reisst der Versorgungsschlauch des Bremssystems an der Aufliegerstirnwand ab. Danke! Es kann nur so weitergehen. Mitten im Hof stehend und alles blockierend, flicke ich die abgerissene Leitung mit Klebeband zusammen, kann so das Aufliegerbremssystem mit Druckluft füllen und zumindest an die Rampe zum Abladen rangieren. Bei der Notreparatur schneide ich mir die Kuppe des linken Daumens ab. Ein weiteres Sahnehäubchen auf diesem Tag. Die Mitarbeiter wollen den Krankenwagen alarmieren. Ich lehne dankend ab. Es kann nicht jeden Tag eitel Sonnenschein geben. Aber der heutige Tag, schafft es nicht mal auf einen Schattenplatz in der Geschichte. Und so gehe ich heute mit dem Gedanken ins Bett: " Manchmal ist es am Ende eines Arbeitstages doch nur eine Spedition für die ich arbeite. " Ganz egal auf welchem Kontinent.




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