Dirk's Canadian Truckerjob

Dirk's Canadian Truckerjob

Der Winter bestimmt das Leben

On the RoadPosted by Admin Tue, January 27, 2009 10:19:07

Sorry für die Schweigsamkeit. Ich war die letzten Wochen wirklich am Anschlag und hatte keine Zeit -und wenn ich Zeit hatte, hatte ich keinen Nerv- Euch auf dem Laufenden zu halten. Aber bitte nicht persönlich nehmen.

Der Winter hat Einzug gehalten und macht das Fahren häufig zur Geduldsprobe. In den Bergen kommen Lawinen runter und Hauptverkehrsadern Richtung Britsh Columbia im Westen müssen wegen der Gefahr und den Aufräumungsarbeiten tagelang geschlossen werden. Eine der Touren führte mich wieder in den Nordwesten Richtung Alaska. Als ich Edmonton um 18.00 Uhr verlasse schneit es wie blöd und als ich am siebten Tag (klingt irgenwie biblisch ;) und 3.800 Kilometern mehr auf dem Tacho, zurückkomme schneit es immer noch. Bei dem trüben Wetter muss ich aufpassen, dass ich nicht komplett rammdösig und deprimiert werde.So sieht der Highway #16 Richtung Norden aus. Aber man kann auch bei diesen Strassenverhältnissen mit 110 km/h fahren. Voraussetzung ist, vorausschauend fahren und keine hektischen Brems- und/oder Lenkmanöver machen.Im "Landeanflug" auf Prince George, British Columbia, das Wetter will einfach nicht besser werden.Wenn die Sonne schon nicht leuchtet, mein neues Namensschild tut es :)Das tagelange Fahren durch den Schnee hinterlässt seine SpurenBei den beiden Mädels nördlich von Prinz George muss ich über die Waage (siehe "Den Finger im Pazifik"). Alleine auf den Antriebsachsen meines Freightliners habe ich fast eine Tonne mehr Gewicht als bei der Abfahrt in Edmonton. Dieser Klumpen sind die Stützen des Aufliegers. Macht übrigens auch saumässig "Spass", so was dann runterzukurbeln um abzusatteln...Aber..... Das Wetter wird besserNa also, geht doch ;) Wenn Engel (beruflich) reisen *lol*Einfach zum Geniessen:Eine der Abladestellen. Der Hof ist vereist und ich muss rückwärts bergauf an die Rampe. Mit Mühe und Not und durchdrehenden Antriebsrädern schaffe ich es bin ans Ladedock. Dann stelle ich allerdings fest, dass ich vergessen habe, die Aufliegertüren aufzumachen. Also, wieder ein Stück vorwärts bergab um die Türen zu öffnen und dann endgültig festzuhängen.... Dummheit wird halt doch bestraft.Der Mensch neigt ja bekanntlich zur Faulheit. So auch ich. Statt die Schneeketten zu aufzuziehen (nicht schon wieder), werfe ich sie als "Teppich" unter die Antriebsachsen. Geht doch!Es ist kalt...Die Rocky Mountains grüssen mit den ersten Ausläufern und versprechen wieder Winterdriving pur. Eine Herausforderung die viel Spass machtund stellenweise auch für Abwechslung sorgtDie Sonne geht unter, aber der Feierabend ist noch lange nicht in Sicht

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Abwechslungsreiche Tage

On the RoadPosted by Admin Sun, December 28, 2008 11:20:27

Heute schreibe ich einfach mal ein Erlebnisse der letzten Tage und Wochen nieder. Inzwischen ist sowas wie Routine eingekehrt. Klar, die Lade- und Abladestellen sind meistens neu, aber es gibt auch schon den einen oder anderen Staplerfahrer den man beim Namen kennt.

Vor ein paar Tagen nehme ich einen Reefer (Kühlauflieger) mit Lebensmitteln in Airdire (nördlich von Calgary) mit Ziel Saskatoon auf den Haken. Das Schicksal meint es wieder gut mit mir und Steffen und Jessy haben das gleiche Ziel.

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So können wir die 600 km gemeinsam durch die Nacht fahren und uns über Funk über Gott und die Welt und vor allem unser Leben in Canada unterhalten. Das Leben hier ist nicht besser. Ich würde es mal als "anders" beschreiben.

Zwei Stunden vor Saskatoon, 2 Uhr morgens, ich denke an nichts Böses, sehe ich bei 110 km/h einen Schatten über die Haube meines Trucks auf die Windschutzscheibe zurutschen. Dann ein höllischer Schlag gegen die Scheibe. Zwei Sekunden später ruft Steffen über Funk, er hätte gerade irgendwas überfahren. Wir stoppen und sehen die Bescherung. Aus irgendwelchen Gründen (vermutlich klirrende Kälte gepaart mit Vibrationen) hat sich der Chromkühlergrill meines Freightliners gelöst, ist mir gegen die Scheibe gekracht und im hohen Bogen über den Auflieger geflogen. Steffen hat das Teil dann platt gemacht und in 100.000 Einzelteile zerlegt als er drübergefahren ist. Kein Vorwurf an Steffen! Niemand kann hier reagieren.

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Am nächsten Morgen schlage ich bei "Frontline Trucks and Trailers" dem Freightliner-Händler in Saskatoon auf. Zu meiner absoluten Überraschung (hey, das hier ist Canada...!), ist der Kühlergrill tatsächlich im Lager vorrätig und wird in der Werkstatt montiert.

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Danach gehe ich mit einem anderen HWT Fahrer, Jim, zum Frühstück. Ein kleines Restaurant auf der 51st Street in Stoon (Kurzform für Saskatoon). Von aussen unscheinbar, da wäre ich nie reingegangen. Aber das Frühstück saugut, preiswert und nicht frittiert wie sonst das Meiste hier. Ausserdem arbeitet hier Bedienung mit der ich seit ein paar Wochen "date" smiley

So kurz vor Feierabend will ich nur noch den Truck tanken und heim zum Duschen. Aber wie schon erwähnt, hey das hier ist Canada! Expect the unexpectet. Wir haben -34 Grad Celsius und mit dem Wind fühlt sich das wie -45 Grad Celsius an. Und die meisten Zapfsäulen am Husky-Truck-Stop sind eingefroren. Hinter den zwei funktionierenden "Pumps" stehen der Trucks bis auf die Strasse Schlange. Die restlichen Zapfsäulen sind abgesperrt.

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Warum zum Henker frieren hier die Zapfsäulen ein? Ist das der erste Winter für die canadischen Tankstellenbetreiber? I don't think so. Welcome to Canada...

So fahre ich zur Petro-Pass-Tanke auf der anderen Seite des Highways. Auch hier das gleiche Theater mit eingefrorenen Zapfsäulen. Dank dem Kollegen Mark entfällt das lange Suchen, er hat eine funktionierende Pumpe gefunden.

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Es ist so kalt, dass ich die Tankkarte an der Zapfsäule zwar noch reinschieben, aber nicht mehr rausziehen kann. Die Finger machen ganz einfach nicht mehr das, was sie sollen. Kein Gefühl mehr in den Pfoten. Das ist schon der Hammer wenn man so an seine Grenzen kommt. Und wir reden hier jetzt nicht vom Überleben in der Wildnis, sondern vom Tanken in einer Großstadt. Schliesslich ziehen ich die Karte mit den Knöcheln der beiden Zeigefinger raus. Welcome to Canada...

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Strenght and Honour

On the RoadPosted by Admin Sat, December 13, 2008 16:48:50
Never judge a book by it's cover!

Nie im Leben konnte ich für diese Aussage mit grösserer Überzeugung werben!

In meinem Blog-Eintrag "Der Neue" vom 14.10.2008 schreibe ich auch über die vier neuen Kollegen aus Grossbrittanien "Vier handfeste Kerle, so zierlich wie mit der Axt geschnitzt".

Wie schon öfter angemerkt, läuft man sich selbst hier in Canada immer wieder über den Weg. Ob man will oder auch nicht. Durch einen glücklichen Zufall passte meine "Off-Time" mit der "Off-Time" von Rolly, einem der vier Engländer (der bei Kindersley fährt) zusammen und wir trafen uns und hatten eine gute Zeit. Lange Gespräche über unser neues Leben, die Vor- und -auch ohne Zweifel vorhandenen- Nachteile, Glauben und Familie. Das Verhältnis unserer beider Völker, die Weltkriege, den Frieden und die wirtschaftliche Entwicklung im 21. Jahrhundert.

Schon lange habe ich keinen Menschen mehr getroffen, der annähernd so vielschichtig informiert, interessiert und sachlich durchs Leben geht. Aus diesem Grund möchte ich es nicht versäumen, Euch Rolly vorzustellen:
Blog Image Eine asiatische Weisheit sagt:

"Keiner kehrt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist"


Niemand weiss, wo seine persönliche Lebensreise endet. Aber eines ist für mich schon jetzt sicher: Dieses neue Leben erweitert meinen Horizont und meine Weltanschaung in so unbeschreiblicher Weise, wie ich es mir nicht zu träumen erhofft hätte.

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Den Finger im Pazifik

On the RoadPosted by Admin Sun, December 07, 2008 17:33:20
Nach dem letzten -etwas schwermütigen- Blog-Eintrag, hier mal wieder etwas richtig Positives:

Am Mittwoch den 26. November breche ich mit einer Ladung Schmierstoffe Richtung Nordwesten auf. Vier Abladestellen, darunter eine Mine in den Bergen und ein Hafen am Pazifik kurz vor der Grenze nach Alaska. Eine Strecke 1.600 Kilometer, die Rocky Mountains, Schnee, Regen, Eis und viele Erinnerungen.

Ich hatte sogar Zeit den Zeigefinger in den Pazifik zu halten:
Blog Image (Szene aus Zeitgründen und wegen schlechten Lichtverhältnissen nachgestellt!) smiley
Mein nächtlicher Weg durch die Nationalparks Jasper und Mount Robson ist wegen Schnee und Eis sehr anstrengend.
Blog ImageAls ich ins die Koje falle, weiss ich was ich gearbeitet habe. Aber "Willkommen in British Columbia"!
Blog ImageBlog ImageDer Weg auf dem "Yellowhead-Highway Nummer 16 North" ist lang und der Schneefall hat zum Glück am nächsten Morgen nachgelassen. Nachdem es mich schon immer interessiert hat, was in einer Wiegestation so abgeht, gehe ich nach der Fahrt über die Waage
Blog Imageeinfach mal rein und schaue nach:
Blog ImageDie beiden "Peace Officer" -Polizistinnen- sind super nett und so wir haben einen Kaffee und jede Menge Spass. Blog ImageJetzt weiss ich das auch und habe meinen Horizont wieder mal erweitert. Fotos machen? Kein Problem, einfach reinkommen. Das ist Canada. Ich verlasse den Highway 16, um zu meiner nächsten Abladestelle, der Mine zu gelangen. Die Strasse wird schmaler und der Weg geht steil in die Berge. Als Abladestelle steht auf meinen Frachtpapieren, der Name der Mine und als Anschrift: "Seven Miles North of Fraser Lake".
Blog ImageBlog ImageBlog ImageDiese "schweren Jungs" haben hier absoluten Vorrang:
Blog ImageMein nächstes und letztes Ziel an diesem Tag, ist die Filiale einer grossen canadischen Autoteilefirma, ähnlich dem deutschen A.T.U. Als ich dort ankomme, ist es abends um 20:45 Uhr. Eigentlich mache ich mir keine grossen Hoffnungen, den für diesen Store bestimmten Teil der Ladung um diese Zeit noch an den Mann zu bringen. Aber siehe da, die Storemanagerin hat Mitleid mit dem Trucker und sie öffnet selber das Rolltor der Laderampe. Nach der langen Fahrt und den vielen Erlebnissen gönne ich mir in der benachbarten Bar eine riesen Pizza und eine eiskalte Coke. Am nächsten Morgen übernimmt der Regen, den Part als ständiger Begleiter bis an die Pazifikküste.
Blog ImageAn genau dieser Kreuzung habe ich vor 12 Jahren, während meiner Hochzeitsreise, schon einmal gehalten und ein Foto aus exakt dieser Position gemacht. Einziger Unterschied: Damals stand im Hintergrund ein roter Truck den ich nicht kannte. Heute steht hier "MEIN" Freightliner. Wer jemals bei mir in meinem Haus in Ödenwaldstetten war, das Poster hing unten in der Bar. Könnt Ihr Euch erinnern?
Blog ImageAuf dem Rückweg von British Columbia nach Osten, lade ich in einem kleinen Pazifikhafen, mitten zwischen riesigen Frachtschiffen, Papierrollen für Calgary. Acht Rollen Papier mit einem Gewicht von zusammen 24 Tonnen. Die Ladung muss am Montag morgen dort sein. Der Weg dorthin führt mich am Sonntag wieder durch die Nationalparks Mount Robson und Jasper in den Rockies. Als die Sonne die Wolken aufgelöst hat, werden die Eindrücke atemberaubend. Ohne viele Worte, hier ein paar Fotos zum geniessen:
Blog ImageBlog ImageKurze Rast am "Moose Lake"
Blog ImageHier ein Bild für Tanja (H.) Leider habe ich kein "stinkiges Moose" für Dich fotografieren können. So muss dieses Schild als Platzhalter herhalten smiley
Blog ImageZurück über die Grenze von "BC" nach Alberta:
Blog ImageUnd Uhr umstellen nicht vergessen. Jetzt gilt wieder "Mountain Time".
Blog ImageBlog ImageDer Winter hat Einzug gehalten:
Blog ImageBlog ImageBei Tageslicht gehts noch, aber nachts kann dieses "Viehzeug" wirklich nerven und eine grosse Gefahr darstellen. Wenn man mit 110 km/h angedonnert kommt, darf man unter keinen Umständen versuchen, eine Vollbremsung zu machen, geschweige denn, ein Ausweichmanöver zu fahren. Sonst liegt der ganze Truck im Graben... So brutal das klingt: Draufhalten!
Blog ImageTake a breath of fresh air. An einer Ampel in Edson, Alberta
Blog ImageDer Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne geht unter. Es sind noch 1.000 Kilometer bis zum Ziel. Auch diese Nacht wird wieder lang, anstrengend und einsam.
Blog ImageBlog ImageEine tolle Tour geht zu Ende. Als ich am Montag Morgen in Calgary aufschlage, habe ich in fünf Tagen 3.700 km hinter mich gebracht. Eine Leistung auf die ich stolz bin und Erlebnisse die mir keiner mehr nehmen kann. Wie genial ist das, was ich hier erleben darf?!?

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Reden wir nicht darüber...

On the RoadPosted by Admin Tue, December 02, 2008 18:26:58

(Dieser Bericht besteht übrigens mehr aus Text als aus Bildern, da es entweder Nacht oder das Wetter zu schlecht war oder ich keinen Nerv zum Fotografieren hatte).

Manche Tage beginnen schon mit einem schlechten Gefühl... Ich habe einen Tag frei und mein Dispatcher meint: "Ruf' morgen um 9 Uhr an." Gesagt, getan, noch keine Ladung. Ruf' gegen Mittag wieder an." Gesagt, getan, immer noch keine Ladung. So vertrödel ich den Tag bei mir zuhause. Dann klingelt mein Mobiltelefon (komisch, sonst rufe ich immer an und hänge in der Warteschleife). Es ist kurz vor 14 Uhr. "Du musst um 16 Uhr in Regina sein, einen Auflieger für Calgary laden."

Hmm, Saskatoon - Regina = 250 Kilometer = 2,5 Stunden Fahrtzeit + ich muss noch zu meinem Truck fahren, der am anderen Ende der Stadt geparkt ist. Ich verweise darauf einen Freightliner Truck zu FAHREN und keine Boeing 747-Frachtmaschine zu FLIEGEN. Hier der Unterschied:

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Blog Image"Nun gut beeile Dich halt." Als ich auf den Speditionshof komme und meinen Auflieger suche, beschleicht mich ein komisches Gefühl. Von Regina nach Calgary sind es ungefähr 8 Stunden Fahrtzeit. Dort morgen um 7 Uhr abladen. Das wird wieder eine lange Nacht.

Hat sich übrigens schon mal jemand von Euch, Gedanken über die Aerodynamik eines Trucks bei 100 km/h in Verbindung mit Chilli con Carne gemacht? Ich muss gestehen, ich nicht. Was übrigens ein Fehler ist! Als ich so Richtung Calgary donnere, beschleicht mich ein Hungergefühl. Ich taste hinter mich und entdecke im Kühlschrank nichts Geniessbares. Also mache ich mir in der Mikrowelle eine Portion Chilli con Carne heiss.

Wenn man auf diesen endlosen geraden Highways unterwegs ist, kommt man schon auf die komischten Ideen irgendwelche Dinge zu tun. Essen aufwärmen, telefonieren, skypen, das Cockpit vom Staub befreien. Ich beschliesse eine St. Christophorus-Medailie (ein Geschenk meiner Eltern), der Schutzpatron der Reisenden und Fahrenden, zu befestigen und komme dabei um ein Haar von der Strasse ab... smiley

Das Chilli con Carne aus der Dose, schmeckt genau genommen nach nichts und es befinden sich UFOs darin (Unbekannte fleischähnliche Objekte). So entsorge ich die halbvolle Dose zum Fenster der Fahrertüre. Halt! Ich wollte die Büchse nur ausleeren und nicht komplett zum Fenster rauswerfen. Ein Fehler! Die Gesetze der Physik befördern 95% des Doseninhalts zurück ins Fahrerhaus. Jeden Tag entdecke ich neue Flecken der hellroten Pampe...

Auf dem kleinen Truck-Stop in Brooks, Alberta (180 km vor Calgary) werfe ich kurz vor Mitternacht den Anker, mache meinen Papierkram und gehe schlafen. Den Wecker stelle ich auf 4 Uhr morgens, um 7 Uhr muss ich an der Abladestelle sein. Bei meiner Abfahrtskontrolle in Brooks entdecke ich alte Bekannte ein paar Reihen weiter.

Leider ist das Wetter schlechter geworden, es hat knapp null Grad und es schneeregnet. Der Highway wird unangenehm rutschig. Trotzdem schaffe ich es zum vereinbarten Entladetermin. Hier ein kleiner Aufheller der trüben Stimmung:
Blog ImageDas hoppelt gaaaanz bestimmt.

Die Abladestelle in Downtown Calgary ist verflixt eng und beim Rangieren reisst der Versorgungsschlauch des Bremssystems an der Aufliegerstirnwand ab. Danke! Es kann nur so weitergehen. Mitten im Hof stehend und alles blockierend, flicke ich die abgerissene Leitung mit Klebeband zusammen, kann so das Aufliegerbremssystem mit Druckluft füllen und zumindest an die Rampe zum Abladen rangieren. Bei der Notreparatur schneide ich mir die Kuppe des linken Daumens ab. Ein weiteres Sahnehäubchen auf diesem Tag. Die Mitarbeiter wollen den Krankenwagen alarmieren. Ich lehne dankend ab. Es kann nicht jeden Tag eitel Sonnenschein geben. Aber der heutige Tag, schafft es nicht mal auf einen Schattenplatz in der Geschichte. Und so gehe ich heute mit dem Gedanken ins Bett: " Manchmal ist es am Ende eines Arbeitstages doch nur eine Spedition für die ich arbeite. " Ganz egal auf welchem Kontinent.




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Das zickige Mädel

On the RoadPosted by Admin Fri, November 21, 2008 21:53:34

Ist es nicht seltsam, viele Dinge über die man sich ärgern kann sind "weiblich". Zum Beispiel die Schlechtwetterfront, die Kündigung oder die Truck smiley Womit wir beim Thema wären.

Hier in Canada, ist der Truck "She".

"She's a beauty", "She runs like there's no tomorrow" oder "Fill her up". Und hier ist sie die Zicke:

Blog ImageUnd nach der Schönheitskur:
Blog ImageMorgens nervt sie mich mit Gemecker, wenn das Getriebeöl noch kalt ist und die Gänge nicht immer ganz klanglos reingehen. Danach wird mit stetigem Geklapper bei einer bestimmten Drehzahl genörgelt, an einer Stelle in der Schlafkabine die ich bislang noch nicht gefunden habe (die Stelle). Wie auch, wenn ich fahre und die Voraussicht fehlt ihr auch. Sprich die Scheinwerfer gleichen zweier Teelichter. Ausserdem neigt sie zum Trinken. Über den Verbrauch hüllen wir mal den Mantel des Schweigens. Blog Image

Aber wie das so ist, man rauft sich zusammen und findet viele positive Dinge aneinander. Ich stehe drauf wie sie die Leistung auf die Strasse bringt, den vielen Platz in der Hütte und die angenehm-kraftvolle Geräuschentwicklung mit tiefen Brummen wenn es zur Sache geht smiley und wir die Berge bügeln. Nun weiss ich nicht, was das Mädel zu berichten hätte. Vermutlich auch nicht nur Positives. Aber da ich am längeren (Schalt-)Hebel beziehungsweise der Tankkarte sitze, wird sie sich mit Kritik zurückhalten.

See you on the Road!




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Fucks Fish...

On the RoadPosted by Admin Sat, November 08, 2008 17:54:02

Ich gestehe, ein wirklich seltsamer Kapitelname. Allerdings, die Geschichte ist zu gut um sie anders zu beginnen. Dieser Tage hatte ich knapp 25 Tonnen Chemikalien von Regina, Saskatchewan, nach Calgary, Alberta zu transportieren.

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Beim Tanken in Saskatoon. Eigentlich wollte ich noch den Truck waschen, leider läuft mir die Zeit zwischen den Fingern davon. Also kleiner "Kundendienst" Scheiben und Spiegel säubern. Steffen ergehts genauso. Erstaunlich, trotz der Grösse des Landes läuft man sich immer wieder über den Weg. Meistens ein Grund zur Freunde und die Möglichkeit für einen kleinen Plausch unter Kollegen, wenn sie wollen und/oder Zeit haben.

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Dann fahre ich die knapp 300 Kilometer leer (oh je Jürgen...) nach Regina, Hauptstadt der Provinz Saskatchewan. Im Shipping Office der Chemiefabrik bekomme ich meine Gefahrgutwarntafeln für den Auflieger und die Frachtpapiere. Und hier kommt die Erklärung für den ungewöhnlichen Kapitelnamen. Der Mitarbeiter drückt mir die Papiere in die Hand und meint: "Don't throw your trailer into water. The stuff that you have loaded, fucks fish!" In der Übersetzung heisst das: Die Chemikalien sollten nicht ins Wasser gelangen, da es sich um eine äusserst grundwassergefährdende Substanz handelt smiley

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Welcome to Calgary! Der Winter hält Einzug und mich auf Trab. Die Abladestelle befindet sich Downtown Calgary. Hier der berühmte Saddledome im Vordergrund. Den Namen hat die Halle wegen der ungewöhnlichen Form eines Sattels. Eishockey, Konzerte, Rodeos ein Platz für Alles.

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Dann gehts zurück nach Saskatoon. Auf dem Weg zum Abholen der nächsten Ladung "erwischt" es mich mit meinem leeren Trailer. Eine Wiegestation ist geöffnet und alle Trucks mit einem Gesamtgewicht von mehr als 4.500 kg müssen über die Waage. Die Achslasten sind hier in Canada ein grosses Thema und wenn die nicht passen, müssen die Sattelplatte oder die Achsen des Aufliegers verschoben werden.

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Kurz vor Drumheller, Alberta, gibt es wie so oft vor grossen Gefällen, die Vorschrift mit dem Truck anzuhalten und die Bremsen zu prüfen "Check Brakes!"

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Und wenn es mit dem Bremsen mal nicht mehr klappt, nehme man die Runaway Escape Ramp!

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Den wohlverdiensten Feierabend verbringe ich auf einem "Flying J"- Truck Stop. Die Lichterstimmung der hereinbrechenden Nacht ist sehr beeindruckend und entlohnt für manche nicht so tollen Dinge.Blog Image

Zurück in Saskatoon geht es meinem Truck an die "Wäsche". Jetzt bedauere ich, keinen Smart zu fahren, natürlich nur wegen der Fahrzeuggrösse smiley Die Rechnung: $ 37.50 (zahlt HWT).

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Nun noch die Tanks füllen und dann gehts los zur nächsten Tour!

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Eigentlich sollte ich das ganze Wochenende frei haben. Auf dem Weg nach Hause, ruft mich mein Dispatcher an. Statt der Ladung am Montag, übernehme ich Fracht für Alberta am Sonntag. Glaubt mir, auch wenn die Wochen noch so hart waren, nach maximal einem Tag ohne Truck brenne ich drauf wieder auf die Highways zu gehen! Das ist der Vorteil im "Open Dispatch", fahren was kommt, statt Linienverkehr nach Fahrplan. Es gibt einen Song von Truck Stop: "Ich fahr Cornflakes Hamburg-Amsterdam" und wisst Ihr was, sowas braucht kein Mensch.

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Trailertausch in Innisfail

On the RoadPosted by Admin Sun, November 02, 2008 21:01:18
Ich war einige Zeit auf Tour und die Socken und T-Shirts werden knapp. Jetzt habe ich meinen Dispatch (Disponenten) gebeten, mir eine Tour Richtung Saskatoon, Saskatchewan, zu geben. Gesagt, getan, mit einem leeren 53' (Fuss) -Auflieger von Edmonton Richtung Calgary. Ziel: Innisfail, Alberta.

Wie heisst es so bezeichnend in den canadischen Führerscheinbüchern: "Expect the unexpected". Als ich am Freitag um 05:45 den Speditionshof in Edmonton verlassen will um meine Load in Innisfail, Alberta, aufzunehmen, muss ich leider feststellen, dass es auch hier Fahrer/innen gibt, die nicht von Null bis Nullkommafünf denken (können oder wollen). Eingeparkt! Nachdem sich mein Tobsuchtskoller gelegt hat, finde ich einen Weg auf die Strasse. Fester Ladetermin 09:00 Uhr. Alles passt, bis ich den Highway verlasse:
Blog ImageWir brauchen kein Umleitung! Is' für Schwächlinge und Europäer! Der Flagman mit dem Stopschild (ganz links im Bild) stoppt den Verkehr und es werden erstmal zwei Auflieger voller Schotter abgekippt. Dann zieht der Grader das Geröllfeld eben und der Verkehr kann wieder rollen. 30 Minuten weg. Na ja, dann mache ich halt solange ein Bild von meinem Truck:Blog ImageWeiter gehts Richtung Ladestelle durch die Baustelle:
Blog ImageBlog ImageBlog ImageUnd wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Strasse her smiley und du schaffst es zur Ladestelle. Zwar nicht pünktlich, aber "Hey", das ist Canada, kein Problem! Man muss sich hier echt umstellen. Vorbei mit der deutschen Hektik und 1.000%igen-Planung.
Blog ImageWährend der Auflieger beladen wird, habe ich Zeit um mein CB-Funkgerät einzubauen. Und da die Canadier absolut hilfsbereit sind, kommt Gary und geht mir zur Hand. Normal rangiert er mit seiner alten Mack-Zugmaschine Auflieger von einem Ladedock zum nächsten. Aber jetzt fungiert das Gefährt als Arbeitsbühne um an die Spiegelantennen meines Freightliners zu kommen. Zwei Stunden? Kein Problem! Lötkolben? "Hole ich zuhause" sagt er, entschwindet und kommt danach mit Werkzeug und Sandwiches zurück, die seine Frau mal eben für uns gemacht hat.
Blog ImageDann taucht mein Kollege James auf (eine Stunde später als bestellt...) und bringt den anderen Auflieger. Mein Trailer soll eigentlich nach British Columbia, seiner nach Saskatchewan. Wir tauschen und ich übernehme seinen Trailer unserer Company "Edge Transportation" nach Osten, Richtung meiner Heimat.Blog ImageNun kommt der bislang persönlichste Teil dieses Blogs: Auf meinen bisherigen Touren bin ich auf grossen Highways oder Interstates unterwegs gewesen. Jetzt geht es über ganz gewöhnliche, zweispurige Strassen, 900 Kilometer (!!!) nach Osten, Richtung Saskatoon. Felder, Wälder, Garnichts und Farmen. Ich fahre mit "meinem" Freightliner durch dieses unbeschreibliche Land. Der Himmel ist tiefblau und die abgeernteten Felder strahlen in purem Gold. Erfahrungen die ich bis dato nur während meiner Urlaubsaufenthalte erleben durfte. Und jetzt?!? Ich lebe hier, darf diesen Truck fahren und werde dafür sogar bezahlt!

Im Radio läuft der Garth Brooks-Song "If tomorrow never comes" und ich vergiesse Tränen vor lauter Glück endlich am Ziel eines jahrzehntelangen Traumes angekommen zu sein. DAS IST MEIN LEBEN! Und wer jetzt über mich urteilt und denkt: "Was für ein Spinner", soll mich einfach nur in Ruhe lassen! Blog Image
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Auf dem Weg von Innisfail nach Osten, kann ich mir ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen.





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